Nützliche Tipps für Leben mit Lipödem - Dr. Linde Blog

Nützliche Tipps für Leben mit Lipödem

Neben der Diagnosestellung ist es für Patientinnen mit Lipödem wichtig, ausreichende Informationen über die Ursachenverschiedenen Symptome sowie die Stadien und Lipödem Typen zu erhalten. 

Eine Lipö­dem-Erkran­kung ist nicht ein­fach nur eine Frage der Ästhe­tik. Neben dicken Beinen, Rei­ter­ho­sen oder Cel­lu­lite müs­sen Sie oft starke Beein­träch­ti­gun­gen Ihres all­täg­li­chen Lebens in Kauf neh­men. Bei einem Lipö­dem han­delt es sich um eine sym­me­tri­sche Fett­ver­meh­rung, die meist an den Bei­nen, am Gesäss und an den Armen auf­tritt und in der Regel nur Frauen betrifft. Die Fett­ver­tei­lung im Kör­per ist bei die­ser Krank­heit gestört und nicht, wie lange ange­nom­men, eine Folge von Über­ge­wicht. Neben Was­ser­ein­la­ge­run­gen tre­ten mas­sive Span­nungs­schmer­zen auf, die in vie­len Fäl­len mit ver­mehrten Blut­ergüssen und Druck­schmer­zen an den betrof­fe­nen Stel­len ein­her­ge­hen. Nicht nur der psy­cho­lo­gi­sche Effekt einer als unschön emp­fun­de­nen Kör­per­form macht Ihnen zu schaf­fen, auch der Juck­reiz und starke Schwel­lun­gen sowie schmer­zende Beine machen ein akti­ves Leben oft schwer. Beim Lipödem handelt es sich um eine chronische und progrediente Krankheit. Progredient bedeutet, dass die Krankheit fortschreitet und sich das Krankheitsbild bzw. der Krankheitsverlauf verschlimmert.

Das Lipödem entsteht durch 2 Faktoren:

  1. Die Vermehrung der Fettzellen in der Unterhaut, wodurch sich feste, knötchenhafte Strukturen bilden
  2. Wassereinlagerungen in den Fettzellen, verursacht durch eine Störung der Kapillardurchlässigkeit der Blutgefässe

Es gibt weitere Lympherkrankungen, deren Symptome denen des Lipödems ähneln. Zu den Differenzialdiagnosen zählen das Lymphödem, das Phlebödem sowie das sekundäre Lymphödem (auch Lipolymphödem genannt). In vielen Fällen dauert es bis zu zehn Jahre, bis die Diagnose Lipödem gestellt werden kann. Für die Patientin bedeutet das einen langen Leidensweg, auf dem sie mit unzähligen Diäten und Sport versucht hat, ihr Aussehen zu verändern. Viele geben irgendwann frustriert auf und leiden unter psychischen Problemen, die ihre Lebensqualität weiter einschränken. 

Hintergründe der Fettverteilungsstörung 

Warum es zu der Erkrankung kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist bisher, dass es eine genetische Veranlagung sowie einen Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen gibt. In der Folge kommt es zu einer Veränderung des Unterhautfettgewebes.

Diese Symptome des Lipödems sollten Sie kennen

Das Lipö­dem wird in vier Sta­dien ein­ge­teilt, die die Struk­tur des Gewe­bes und die Tex­tur der Haut beschrei­ben. Bei die­ser gän­gi­gen Form der Sta­di­en­ein­tei­lung wird ein sehr wich­ti­ger Para­me­ter des Lipö­dems – näm­lich der Schmerz – nicht berück­sich­tigt. Denn bereits im Sta­dium I, bei dem die Haut­ober­flä­che noch sehr glatt scheint, kön­nen Pati­en­tin­nen unter mas­si­ven Schmer­zen in den Extre­mi­tä­ten lei­den, die lan­ges Gehen und Ste­hen unmög­lich machen. Ein sol­cher Befund muss anders the­ra­piert wer­den als bei einer Pati­en­tin in Sta­dium I, die kaum oder keine Schmer­zen hat. Grundsätzlich kann das Lipödem in jedem Stadium mit Kompression behandelt und jederzeit operiert werden.

Sta­dium I: Haut­ober­flä­che glatt, Unter­haut­fett ver­dickt, Fett­struk­tur fein­kno­tig

Sta­dium II: Haut­ober­flä­che uneben, Fett­struk­tur grob­kno­tig

Sta­dium III: Gewebe zusätz­lich der­ber und här­ter, gross­lap­pig defor­mie­rende Fett­lap­pen

Sta­dium IV: zusätzlich starkes Lipolymphödem

Im Gegen­satz zur Sta­di­en­ein­tei­lung, die die Beschaf­fen­heit der Haut und des Gewe­bes betrach­tet, rücken bei der Klas­si­fi­zie­rung nach Typen die betrof­fe­nen Kör­perareale in den Fokus.

Typ 1: Das Unterhautfett ist vor allem im Bereich von Gesäss und Hüften vermehrt, die sogenannten Reiterhosen sind die Folge.

Typ 2: Das Lipödem hat sich bis zu den Knien ausgebreitet, und es kommt zur vermehrten Bildung von Fett an den Innenseiten der Knie.

Typ 3: Die Erkrankung reicht jetzt von den Hüften bis zu den Fussknöcheln.

Typ 4: Das Lipödem betrifft nun auch noch die Arme. Die Handgelenke sind nicht betroffen.

Gut zu wissen: Das Lipolymphödem ist eine Mischform aus Lipödem und Lymphödem, das sich entwickeln kann, wenn ein Lipödem zu lange unbehandelt bleibt.

Spannungsgefühl, Druckempfindlichkeit und Druckschmerzen

Oft tritt ein star­kes Span­nungs­ge­fühl auf und die Berüh­rungs­emp­find­lich­keit steigt immer wei­ter an – dazu kommt die Bewe­gungs­ein­schrän­kung, die mit stark geschwol­le­nen Bei­nen ein­her­geht. Der Druckschmerz entsteht durch die Wasseransammlungen in den Fettzellen. Durch den Volumenzuwachs wird Druck auf das umliegende Gewebe ausgeübt und Spannung entsteht. Folglich reagiert die Haut schmerzhaft auf Berührung und Druck. Je weiter das Lipödem fortschreitet, desto stärker können die Beschwerden werden. Beine, Arme oder Hüften können dann auch ohne Druck schmerzen, und der Umfang nimmt zu.

Blaue Flecken (Hämatome)

Die Haut von Lipödem-Patientinnen neigt dazu, sehr leicht blaue Flecke zu bilden. Ursächlich hierfür ist die gestörte Kapillarpermeabilität der Blutgefässe. Dadurch werden sowohl Flüssigkeiten leichter durch die Gefässwand in das umliegende Gewebe gedrückt, als auch rote Blutkörperchen. Somit führen schon leichte Stösse zu blauen Flecken.

Psychische Belastung

Auch der psy­chi­sche Aspekt sollte nicht ausser Acht gelas­sen wer­den. In den meis­ten Fäl­len erken­nen Mit­men­schen nicht, dass die Betrof­fene an einem Lipö­dem lei­det und die Fett­pols­ter nicht auf­grund von Über­ge­wicht oder man­geln­der Dis­zi­plin ent­stan­den sind.

Weitere Symptome

  • Schmerzen
  • Kältegefühl in Armen und Beinen
  • Schweregefühl der Beine und Arme

Die Beschwerden bei Lipödem wie Schmerzen oder Schweregefühl verschlimmern sich in bestimmten Situationen:

  • warmes Wetter
  • Sauna
  • langes Stehen
  • langes Sitzen
  • abends

Wie stark die Beschwerden bei einem Lipödem sind, ist individuell verschieden. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sich über die Jahre zusätzlich ein Lymphödem entwickeln. Das bedeutet, dass Lymphflüssigkeit nicht aus dem Gewebe abfliessen kann, wodurch die Schwellungen noch weiter zunehmen. Ein Lipödem ist, egal in welchem Stadium, stets eine grosse Belastung. Das veränderte Aussehen sowie die Schmerzen führen zu einem hohen Leidensdruck, der die Lebensqualität stark beeinträchtigt. 

Unterschiede zwischen Lipödem und Lymphödem

Ein Lymphödem ist eine Ansammlung von Gewebeflüssigkeit, die meist als Folge einer Erkrankung entsteht. Ein Lymphödem kann aus einem Lipödem entstehen, wenn das Lymphsystem die Lymphflüssigkeit nicht mehr abtransportieren kann. Die Flüssigkeit staut sich auf und Arme und Hände sowie Beine und Füsse schwellen an. Beim Lymphödem werden zwei verschiedene Arten unterschieden: Das primäre Lymphödem ist angeboren und tritt eher selten auf. Im Gegensatz dazu tritt das sekundäre Lymphödem häufig auf und entsteht durch Operationen, Bestrahlungen, Krankheiten, Verletzungen oder Infektionen.

Lipödem und Ernährung: Könnte ab und zu auch helfen

Bisher ist die wissenschaftliche Studienlage zur Ernährung bei Lipödem-Patienten sehr dünn. Es ist jedoch eindeutig – eine Diät ist der falsche Therapieansatz. Um einen nachhaltigen Erfolg bei einer Gewichtsreduktion zu erzielen, geht es nicht um Verzicht, sondern vielmehr um eine bewusste Ernährungsumstellung mit Freude und Genuss beim Essen. Eine positive Einstellung bei einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und der Gedanke “ich möchte etwas Gutes für mich tun“ sind die besten Voraussetzungen dafür. Ein zu hoher Spiegel des Bauchspeicheldrüsenhormons und eine daraus resultierende Bauchspeicheldrüsen-Resistenz sollte unbedingt vermieden werden. Dabei kommt es nämlich häufig zu einer Vermehrung des sogenannten viszeralen Fetts, was zu Entzündungen führt und eine der Hauptursachen für den Schmerz beim Lipödem darstellt.

  • Trinken Sie mindestens 2 Liter täglich, bevorzugen Sie hierbei Wasser. Ungesüsste Kräuter- oder Früchtetees sind aber ebenfalls geeignet.
  • Ernähren Sie sich vitalstoff- und enzymreich, nehmen Sie zusätzlich genügend Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente sowie sekundäre Pflanzenstoffe auf.
  • Wählen Sie adäquate und gut verarbeite Lebensmittel aus, diese steigern Ihr Wohlbefinden.
  • Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Muskulatur trainieren, denn so können Sie Ihren Grundumsatz aufrechterhalten.
  • Essen Sie viel frisches Gemüse.
  • Versuchen Sie, gute Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Gemüse und Obst zu essen.
  • Wenn Sie gerne Fisch essen, eignet sich Seefisch sehr gut. Diesen können Sie 1-2x pro Woche in Ihren Essensplan einbinden. Bevorzugte Kaltwasserfische sind Hering, Lachs oder Makrele.
  • Essen Sie nicht täglich Fleisch, auch pflanzliches Eiweiss ist wertvoll. Dadurch reduzieren Sie gleichzeitig das Cholesterin.
  • Sie müssen nicht vollständig auf Fett verzichten, sollten jedoch versuchen, Fette in Fleisch, Wurst, Käse, Sahne und Süssigkeiten zu meiden. Ziehen Sie ungesättigte Fette aus Ölen vor. Für das Kochen eignet sich sehr gut Rapsöl oder Olivenöl, für die kalte Küche können Sie z.B. Walnussöl oder Leinöl für Salate verwenden.

Wenn keine natürlichen Tipps funktionieren, probieren Sie die professionelle Behandlung des Lipödems aus.

Ein Lipödem kann nicht ursächlich geheilt werden. Nach dem heutigen Stand des Wissens gibt es für die Therapie des Lipödems lediglich diese Optionen:

  • Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) 
  • operative Entfernung des krankhaft vermehrten Fettgewebes (Liposuktion)

Die KPE ist eine konservative (= ohne Operation) Therapie, die zur Verbesserung bzw. Beseitigung der Beschwerden beitragen, eine Zunahme des Lipödems und das Entstehen eines Lipo-Lymphödems verhindern oder verlangsamen kann. Eine nennenswerte Verringerung des Fettgewebes ist damit jedoch nicht möglich, dies kann nur durch operative Massnahmen (Liposuktion) erreicht werden.

Gründe, die gegen eine Liposuktion des Lipödems sprechen (Kontraindikationen)

  • übertriebene Erwartungshaltung der Patientin
  • Schwangerschaft
  • bestehendes Lymphödem
  • bekannte Allergie gegen Inhaltsstoffe der Anästhetika
  • zu hohes OP-Risiko gemäss ASA-Klassifikation (American Society of Anesthesiologists), muss vom Arzt sorgfältig abgeklärt werden
  • ausgeprägte Herz-Lungen-Erkrankungen
  • Leber- und Nierenschäden
  • bekannte Krampfneigung
  • bekannte Thromboseneigung
  • Einnahme gerinnungshemmender Medikamente
  • generalisierte Adipositas
  • Körpergewicht über 120 kg
  • Patientin hat sehr schlaffe Haut
  • Lipödem Stadium III


Lipödem und Naturheilkunde

Die Lymphdrainage hilft vor allem bei der Bekämpfung der Beschwerden, die Ursache selbst wird aber auch mit der Lymphdrainage nicht beseitigt. Zur Unterstützung der Behandlung sollten Betroffene die Benützung von Kompressionsstrümpfen in Erwägung ziehen. Ebenfalls zur Linderung der Beschwerden hat sich die Schröpfmassage (Ba Guan) bewährt. Es handelt sich hierbei um ein ausleitendes Verfahren, mit dessen Hilfe versucht wird, Stauungen aufzulösen. Die Schröpfmassage in Kombination mit einer Lymphdrainage hat sich besonders bewährt.

Das Leben verändert sich mit der Diagnose Lipödem schlagartig. Patientinnen können sich auf vielfältige Weise mit dem Thema auseinandersetzen und sich darüber informieren. Neben dem Arzt finden Sie auch in Selbsthilfegruppen, die regelmässige Treffen veranstalten, Rat und Hilfe. Darüber hinaus liefern Blogs von betroffenen Frauen Inspiration und alltägliche Tipps für das Leben mit Lipödem. Diese Tipps drehen sich vor allem um Ernährung, Sport, Behandlung, die Diagnosestellung der Erkrankung sowie um Hautpflege und Hautschutz, um Verletzungen der empfindlichen Haut vorzubeugen.

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